Migrantenrat Dessau-Roßlau
Migrantenrat Dessau-Roßlau

Projektbericht

 

„WAS WIR DENKEN – Jugendliche decken Alltagsrassismus auf“

 

für integrierte Projekte im Rahmen des Lokalen Aktionsplanes Dessau-Roßlau 2012

 

in Schirmherrschaft von Frau Susi Möbbeck, der Integrationsbeauftragten

der Landesregierung Sachsen-Anhalt

 

Projektzeitraum: 01.März 2012-31.Dezember 2012

 

 

Wo endet tolerantes Denken, an welcher Stelle wird Intoleranz daraus, vielleicht sogar Rassismus? Acht Monate lang haben sich insgesamt mehr als einhundert Jugendliche im Rahmen des Projektes „Was wir denken“ mit diesen und anderen schwierigen Fragen rund um den Alltagsrassismus beschäftigt. Vorurteile wurden identifiziert und hinterfragt, Sehgewohnheiten einem Perspektivwechsel unterzogen, Ausgrenzungen, die Fremde im Alltag zu spüren bekommen, nachempfunden.

 

Unter der Schirmherrschaft der Integrationsbeauftragten des Landes Sachsen-Anhalt, Susi Möbbeck, realisierte das Multikulturelle Zentrum Dessau in Kooperation mit dem Anhaltischen Theater Dessau, dem Migrantenrat Dessau-Roßlau, dem Offenen Kanal Dessau und der Polizeidirektion Sachsen-Anhalt Ost das Projekt Was wir denken – Jugendliche decken Alltagsrassismus auf. Dabei sollten Jugendliche im Alter von 13 bis zu 21 Jahren für eine interkulturelle und demokratische Alltagskultur sensibilisiert sowie kritisches Denken, demokratisches Engagement, Eigenverantwortung und Medienkompetenz gefördert werden.

 

Anlass dieser Zusammenarbeit war eine Protestbewegung um die Messerattacke auf einen Fußballjugendtrainer, die für Aufsehen  sorgte, war sie doch in weiten Teilen rassistisch aufgeladen und wurde zudem von bekennenden Rechtsextremisten angeführt. Auf diese dynamische Entwicklung haben die lokalen Akteure angemessen reagiert und in einer Ideenwerkstatt im Rahmen des Lokalen Aktionsplans zu einem Team zusammengeschlossen.

 

Schülerinnen und Schüler waren, unabhängig von Herkunft, sozialer Stellung oder Bildungsstand, eingeladen, sich mit den Themen Heimat und Fremdsein, Toleranz und Demokratie, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit auseinanderzusetzen und dabei ihrer Kreativität freien Lauf zu lassen.

In der gesamten Projektlaufzeit konnte dieses Projekt die Gesamtteilnehmerzahl von 500 Bürgerinnen und Bürger erreichen. In 41 Workshops unter anderem mit Forumtheater und Schreibwerkstatt haben die Schülerinnen und Schüler zunächst ihren eigenen Umgang miteinander betrachtet. Es wurden Vorurteile identifiziert, deren strafrechtliche Relevanz geprüft, Sehgewohnheiten einem Perspektivwechsel unterzogen, Ausgrenzungen, die Fremde im Alltag zu spüren bekommen, nachempfunden. Die Jugendlichen interviewten aber auch 27 Migrantinnen und Migranten. Diese berichteten aus ihrem Leben in ihrer Heimat sowie über ihren Alltag in Dessau-Roßlau. Die so gesammelten Aussagen flossen in einen Textpool, der als Grundlage für die Arbeit des Theaterjugendclubs diente, an der unter Leitung der Theaterpädagogin Imme Heiligendorff 15 junge Leute beteiligt waren. In der Medienworkshopreihe bereiteten fünf Jugendliche die szenische Collage auf und produzierten mit Unterstützung des Offenen Kanals Dessau einen Film, der demnächst auch der Öffentlichkeit insbesondere für die Verwendung im Schulunterricht zur Verfügung stehen wird. Der Streifen, der das Leben eines DDR-Vertragsarbeiters seit seiner Ankunft in Dessau widerspiegelt, aber auch Fakten liefert und anregende Denkanstöße gibt, entstand unter Leitung von Edith Strasburger, OK Dessau, und Hjördis Hoffmann, Pädagogin.

 

Vor voll besetztem Foyer des Alten Theaters Dessau ist in Anwesenheit der Schirmherrin mit der öffentlichen Abschlusspräsentation das Beteiligungsprojekt „Was wir denken – Jugendliche decken Alltagsrassismus auf“ am 11. Dezember 2012 unter lang anhaltendem Applaus zu Ende gegangen. Sowohl die szenische Collage als auch der Film wurden von den Gästen mit viel Beifall bedacht. Damit ziehen die Projektpartner nach neun Monaten intensiver Beschäftigung mit der Thematik Alltagsrassismus zum Abschluss des Vorhabens eine äußerst positive Bilanz.

 

Die äußerst positive öffentliche Resonanz, die das Gemeinschaftsvorhaben unter anderem auch bei der Präsentation im Ministerium für Arbeit und Soziales des Landes Sachsen-Anhalt auf der regulären Beratung der Vereine und Verbände der Integrationsarbeit erfahren hat, lässt die Projektpartner über ein potentielles Folgevorhaben nachdenken, das über die Stadtgrenzen hinaus in der Region Anhalt realisiert werden könnte. Dabei könnten in einem nächsten Schritt insbesondere die Pädagogen auf das Thema aufmerksam gemacht werden.

 

Als Kooperationspartner wurden das Gymnasium Philanthropinum, die Sekundarschule „An der Biethe“, die Förderschulen für Lernbehinderte in Dessau und in Roßlau sowie die Berufsbildenden Schulen II des Anhaltischen Berufsschulzentrums „Hugo Junkers“ Dessau gewonnen. Das Vorhaben wurde durch den Lokalen Aktionsplan für Demokratie und Toleranz der Stadt Dessau-Roßlau (LAP), der im Rahmen des Bundesprogramms „TOLERANZ FÖRDERN – KOMPETENZ STÄRKEN“ agiert, gefördert.

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